Patagonien
Patagonien ist das südliche Ende des südamerikanischen Kontinents und erstreckt sich vom Atlantik der argentinischen Ostküste über kürzeste Entfernung bis zu den verschlungenen Fjorden des Pazifiks der chilenischen Westküste. In der Nord-Süd-Richtung kann keiner genau sagen wo Patagonien eigentlich anfängt. Im All-gemeinen bezeichnet man hier den Teil südlich des Rio Bio Bio in Chile und des Rio Colorados in Argentinien und alles nördlich Gelegene der Magellanstrasse. Auf einer Gesamtfläche von rund 1 Million km² leben hier zwar weniger als 2 Millionen Menschen, dafür aber etwa 15 Millionen Schafe.
In diesen Ausdehnungen mischen sich die verschiedenartigsten Landschaften die den Anschein erwecken, als sei dies ein ganzer Kontinent und nicht nur der südliche Teil Chiles und Argentiniens der im Jahre 1902 geografisch zwischen diesen beiden Ländern aufgeteilt wurde.
Über die Entstehung des Namens Patagonien gibt es mehrere Theorien, die mit der Entdeckungsreise des Seefahrers Ferdinand Magellan im Jahr 1520 zusammen-hängen. Die populärste und allgemein bekannteste Version besagt, dass Magellan die Indianer wegen ihrer großen Füße Patagonier nannte. Pata heißt im Spanischen tatsächlich Fuß, die Silbe gon hat jedoch keine Bedeutung. Deshalb tendieren wir mehr zu der Erklärung, die Bruce Chatwin in seinem großartigen Buch "In Patagonien" fand. Demnach bedeutet das griechische Wort Patagon 'brüllen' oder 'Zähne knirschen'. In dem schon Anfang des 16. Jh. veröffentlichten Ritterroman 'Primaleon von Griechenland' spielt ein brüllendes Ungeheuer eine Rolle, das auch 'Großer Patagon' genannt wird. Chatwin vermutet, dass Magellan dieses Buch kannte. Magellans Chronist Pigafetta behauptete in seinen Aufzeichnungen, die Patagonier brüllten wie Stiere. Somit könnte der Ausruf Magellans "Ha, Patagon!" durchaus auf diese Weise interpretiert werden.
Pampa Die Ausläufer der Anden Patagoniens, der Cordillera, bilden eine scharfe Klimascheide und einen enormen Kontrast zwischen Ost- und Westpatagonien. Die feuchten Westwinde die sich vor der Gebirgskette abregnen gelangen dann nur noch als trockene Fallwinde in die windzerzauste Ostpatagonische Steppe. Geprägt wird die Patagonische Pampa durch eine Vielzahl an kleinen Büschen, kissenförmigen Gewächsen und Gräsern, die Hauptnahrung von den Millionen Schafen, die hier auf zigtausenden km² den starken Winden trotzen. Gleichzeitig ist die Pampa das zu Hause vieler lustiger Tiere, wie dem Guanaco, dem Ñandus und dem Zorrino, dem patagonischen Stinktier, dem man besser nicht zu nahe kommen sollte.
Die Urwälder des Südens bezeichnet man auch als valdivianischen oder als kalten Regenwald und bilden damit einen der letzten zusammen-hängenden Bestände dieser Art auf unserer Erde. Die Niederschlagsmengen von den Fjordgebieten im Westen bis hin zur Cordillera, schwanken zwischen 7000mm und 2000mm Niederschlag im Jahr. Auf Grund dieses Klimas findet man hier die unterschiedlichsten Waldformen. In den Küstengebieten wächst durch die hohen Niederschlagsmengen ein undurchdringlicher Urwald aus Ñirre, Coiguhe (alle Nothofagus=Südbuchen), Alercen, Zypressen und Notro (Embothrium coccineum). Der Notro - auf deutsch Feuerstrauch - macht besonders von Oktober bis März mit seinen feuerroten, leuchteten Blüten, die den Kolibri magisch anziehen, seinem Namen alle Ehre. In den höheren Lagen im Westen und in den Waldgebieten im Osten findet man im Herbst, also in der Zeit um Ostern eine wahre Farbenpracht vor. Ein Indian Summer wie er sonst nur auf der Nordhalbkugel zu finden ist. Von saftigem grün, sonnengelb bis zu tiefen, feurigen rot reichen die Farben der Blätter mit all ihren Zwischentönen.
Die Carretera Austral was soviel heißt, wie die "Strasse des Südens" die durch einen der schönsten und unbekanntesten Landstriche Chiles in die Einsamkeit führt. Mitte der 70er Jahre begann man die Carretera Austral in die Wildnis zu schlagen, immer den natürlichen Gegebenheiten folgend. So schlängelt sich heute die "Strasse" entlang von Flüssen, Fjorden, Seen und Gletschern, sie durchkreuzt Weiden, Sümpfe und Wälder und windet sich zudem die Berge hinauf. Diese Schotterpiste, die auch gern Abenteurer-Strasse genannt wird, findet in Puerto Montt, ca. 1000 km südlich von Santiago ihren Anfang und schlängelt sich auf einer Gesamtlänge von ca.1100 km durch Südpatagonien, bis sie in dem Örtchen Villa O´Higgins, am gleichnamigen See, Lago O´Higgins und in der Nähe der südlichen Eisausdehnung ihr Ende findet, also Fin del Mundo. Sollten Sie Abenteuer und Erholung weit entfernt von ausgetretenen Touristenpfaden suchen, werden Sie hier in dieser unberührten Wildnis fündig.



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